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Hohe Auszeichnung

Tuesday, 07 January 2020

Historikerin Barbara Stelzl-Marx ist "Wissenschafterin des Jahres 2019"

Mit ihrer Forschung zu Besatzungskindern, Wehrmachtskindern und Kindern, die zu Kriegsende nach Vergewaltigungen auf die Welt gekommen sind, rückte Barbara Stelzl-Marx gesellschaftliche Tabuthemen in den Fokus. „Die Arbeit an diesen Themen führt nicht nur zu einer Enttabuisierung, sondern hilft den Betroffenen auch, ihre Vergangenheit aufzuarbeiten“, sagt die Historikerin. Dafür sei oftmals ein Perspektivenwechsel notwendig. „Wir müssen von der Schwarz-Weiß-Zeichnung der Besatzungszeit wegkommen, weil es immer auch eine andere Seite gibt“, spricht sie über ihre Recherchen zu und Gesprächen mit ehemaligen Besatzungssoldaten, sowjetischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern.

„Ich sehe es als großes Privileg, mich als Wissenschafterin mit gesellschaftspolitisch relevanten Themen auseinandersetzen zu können. Dank der Berichterstattung in den Medien werden aktuelle Forschungen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht, was mir stets ein Anliegen war. Diese hohe Auszeichnung macht die zeithistorische Forschung und deren Vermittlung sichtbar, was gerade im Gedenkjahr 2020 – 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges“ – im Sinne des ‚Niemals wieder‘ von besonderer Bedeutung ist“, freut sich Stelzl-Marx über die Auszeichnung, die beispielsweise im Jahr 2005 an die bekannte Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb gegangen war.

Die 1971 in Graz geborene Barbara Stelzl-Marx ist seit 2019 Professorin für Zeitgeschichte mit dem Schwerpunkt Konflikt- und Migrationsforschung an der Universität Graz. Sie habilitierte sich mit ihrer preisgekrönten Arbeit zu „Stalins Soldaten in Österreich – Die Innensicht der sowjetischen Besatzung“. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Kinder des Krieges, die sowjetische Besatzung in Österreich 1945-1955, der Kalte Krieg, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter des Zweiten Weltkrieges oder etwa das Lager Liebenau in der NS-Zeit.

Barbara Stelzl-Marx übernahm im März 2018 die Leitung des Grazer Ludwig Boltzmann Institutes für Kriegsfolgenforschung (BIK) von Stefan Karner, der 1995 selbst Preisträger war. Neben der Durchführung internationaler Forschungsprojekte organisiert das Institut jährlich zahlreiche wissenschaftliche Veranstaltungen und konzipiert Ausstellungen. Zudem unterstützt das Boltzmann Institut Angehörige bei der Nachforschung zu Kriegsgefangenen, Vermissten und Zwangsarbeitern des Zweiten Weltkriegs. Partner des BIK sind die Universität Graz und die Stadt Graz.

Mehr Informationen unter www.bik.ac.at

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