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Dienstag, 03.03.2026

Nachhaltig aufforsten: Forschende identifizieren Faktoren für erfolgreiche Renaturierung

Sarah Bürli im Botanischen Garten der Uni Graz

Sarah Bürli hat erforscht, wie gerodete Wälder erfolgreich nachwachsen. Foto: Uni Graz/Grube

Naturnahe Wälder sind nicht nur wertvolle CO2-Speicher, sondern auch Reservoirs der Biodiversität. Daher werden im Rahmen von Renaturierungsprojekten Flächen, die nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden, aufgeforstet. Damit die Wiederherstellung von Wäldern erfolgreich ist, gilt es einiges zu beachten. So spielt etwa die Kombination von schnell und langsam wachsenden Baumarten eine Rolle. Zu Beginn ist unter anderem der richtige Abstand zwischen den Setzlingen entscheidend für das Überleben der jungen Forstpflanzen. Sarah Bürli, wissenschaftliche Leiterin des Botanischen Gartens der Universität Graz, hat gemeinsam mit Kolleg:innen in Aotearoa/Neuseeland die Ergebnisse aus Experimenten zur Waldrenaturierung analysiert. Ihre Erkenntnisse zu förderlichen Pflanzstrategien sind kürzlich im Wissenschaftsmagazin Ecological Solutions and Evidence erschienen.

Im natürlichen Prozess der Waldentwicklung, zum Beispiel nach einem Brand, besiedeln anfangs schnell wachsende, sonnenliebende Pionierbäume die offenen Flächen, bis sie mit der Zeit von langsam wachsenden, schattentoleranteren Arten ersetzt werden. So entsteht ein widerstandsfähiger Wald, der einer Vielfalt von Flora und Fauna Lebensraum bietet. „Eine große Debatte bei der Renaturierung von Wäldern ist, ob langsamer wachsende Bäume erst gesetzt werden sollten, sobald die Pionierarten gewachsen sind, oder gemeinsam mit ihnen. Die gleichzeitige Pflanzung hat den Vorteil, dass sie den Prozess verkürzt, das entstehende Ökosystem stabilisieren kann und dessen Biodiversität fördert“, sagt Sarah Bürli. Die Pflanzenwissenschaftlerin der Uni Graz hat im Rahmen des Living Laboratories-Programms der Auckland University of Technology in Aotearoa/Neuseeland untersucht, was die Überlebenschancen langsam wachsender Bäume erhöht, wenn sie zur selben Zeit wie die Pionierarten gesetzt werden.

Um mehr über optimale Rahmenbedingungen herauszufinden, wurden in Kooperation mit Māori Communities drei ehemalige Agrarflächen aufgeforstet. „Wir haben die Entwicklung von mehr als 1800 Bäumen beobachtet und analysiert“, berichtet Bürli über das Experiment. Dabei konnten die Forscher:innen zeigen, dass ein Abstand von zwei Metern zwischen Pionierbäumen die Überlebensrate der langsamer wachsenden Arten im Vergleich zu einem, drei oder vier Metern deutlich verbessert. „Dieser Abstand schien die Vorteile des Schutzes durch die rasch wachsenden Bäume und die Nachteile der Beschattung und Konkurrenz effektiv auszugleichen“, erklärt die Wissenschaftlerin. Darüber hinaus erhöhten auch größere Mengen an toter und lebender bodennaher Vegetation die Überlebensrate der Setzlinge.

Was die Frage der gemeinsamen Pflanzung betrifft, so ergab die Studie: „Vier der insgesamt sechs langsam wachsenden Baumarten im Experiment etablierten sich gut, wenn sie zusammen mit den Pionieren eingeführt wurden“, so Bürli. Bisher ging man vom Gegenteil aus. Die Tatsache, dass das gleichzeitige Setzen zu einer hohen Überlebensrate führt, wird die Arbeit in Zukunft vereinfachen. 

Zwar sind die Bäume, die in Österreich und Europa in naturnahen Wäldern vertreten sind, andere als in Neuseeland, aber auch hierzulande gibt es rasch und langsam wachsende Arten. Das bedeutet, dass die Ergebnisse der Studie auch für heimische Renaturierungsprojekte genutzt werden können.

Publikation:
Differential seedling survival of early-planted, late-successional trees: Results from three forest restoration experiments
Sarah Bürli, Luke A. McClean, Bradley S. Case, David Hall, Hannah L. Buckley
Ecological Solutions and Evidence
DOI:10.1002/2688-8319.70207

Erstellt von Gudrun Pichler

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