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Donnerstag, 03.10.2019

Grund zum Jammern?

Laut einer aktuellen soziologischen Studie bezeichnen sich die meisten ÖsterreicherInnen zumindest als ziemlich glücklich. Bild: pixabay

Laut einer aktuellen soziologischen Studie bezeichnen sich die meisten ÖsterreicherInnen zumindest als ziemlich glücklich. Bild: pixabay

Soziologen stellen fest: Persönliches Wohlbefinden und die Bewertung der gesellschaftlichen Entwicklung gehen auseinander

Um unser Land ist es schlecht bestellt, glücklicherweise betrifft mich das nicht. So lässt sich – etwas vereinfacht – zusammenfassen, wie die ÖsterreicherInnen die gesellschaftliche Entwicklung sowie ihre eigene soziale Lage bewerten. Markus Hadler und Christoph Glatz, Soziologen an der Universität Graz, haben für die große Trendstudie „Sozialer Survey Österreich“ das subjektive Wohlbefinden sowie die Sicht der Menschen auf ihre persönliche Situation und die der Gesellschaft insgesamt erhoben und dabei Diskrepanzen entdeckt.

Grundsätzlich fühlen sich die meisten ÖsterreicherInnen relativ wohl. Das ergab die Befragung von 1 200 Personen im Jahr 2018. „90 Prozent gaben an, zumindest ,ziemlich zufrieden‘ zu sein, 91 Prozent bezeichneten sich zumindest als ,ziemlich glücklich‘, und 85 Prozent schätzen ihre eigene Gesundheit zumindest als ,gut‘ ein“, berichtet Markus Hadler.
Diese positive Bewertung setzt sich in Bezug auf die eigene soziale Lage und Zukunft fort, interessanterweise aber nicht, wenn es um die gesamtgesellschaftliche Situation geht. „Obwohl Österreich im internationalen Vergleich eine geringe Einkommensungleichheit aufweist, sind 84 Prozent der Befragten der Meinung, die Unterschiede seien zu hoch“, informiert Hadler. Diese Ansicht findet starke Zustimmung auch unter jenen, die meinen, sie würden zu viel verdienen.
„Überraschend ist, dass die gesellschaftliche Ungleichheit und die persönliche Lage offenbar unterschiedlich bewertet werden“, verweist der Soziologe auf eine Diskrepanz: „Die meisten Befragten verorten sich in der oberen Hälfte der Gesellschaft und betrachten ihre eigene soziale Position im Vergleich zu jener ihrer Herkunftsfamilie als höher. Rund 50 Prozent gaben an, mit dem Haushaltseinkommen leicht oder sehr leicht auszukommen“, fasst Hadler zusammen.
Eine ähnliche Diskrepanz zeigt sich, wenn man die ÖsterreicherInnen nach ihrer Zukunft und der ihres Landes fragt: Etwa 26 Prozent glauben an eine Verbesserung ihrer persönlichen Lebensumstände in den nächsten Jahren, 57 Prozent, dass sie sich nicht verändern, und nur 17 Prozent erwarten eine Verschlechterung. Im Gegensatz dazu aber rechnen 40 Prozent mit einer Verschlechterung der Lebensumstände in Österreich und nur 18 Prozent mit einer Verbesserung.

Wie erklärt sich der Soziologe dieses Auseinanderklaffen? „Sieht man sich als Teil einer bevorzugten Bevölkerungsgruppe, fällt es leichter, optimistisch für die eigene Zukunft zu sein und gleichzeitig pessimistisch für Österreich, da die mutmaßlich schlechteren Lebensumstände einen selbst nicht treffen.“ Als zweite mögliche Erklärung nennt Hadler den „unrealistischen Optimismus“: „Dieser psychologische Schutzmechanismus führt dazu, dass man diverse Risiken, wie etwa Krankheiten oder Unfälle, für sich selbst durchwegs als unterdurchschnittlich einschätzt. So wird sich das eigene Leben schon zum Besseren entwickeln, wenn auch das Leben der ÖsterreicherInnen wohl schlechter wird.“

Die überwiegende Mehrheit zählt sich also zu den Begünstigten. Dennoch sollte nicht auf die Unzufriedenen vergessen werden, die sich persönlich benachteiligt fühlen, weil sie, wie sie angeben, „weniger bekommen, als ihnen zusteht“. „In dieser Gruppe der Befragten finden sich vor allem Menschen in der Altersgruppe zwischen 40 und 50 Jahren mit Pflicht- und Lehrabschlüssen, geringem Einkommen, Arbeitslose, Geschiedene und FPÖ-WählerInnen. Keinen Einfluss haben das Geschlecht und ein Aufstieg bzw. Abstieg im Vergleich zur Herkunftsfamilie“, erklärt Hadler.

Am Sozialen Survey Österreich, einer Erhebung der IFES – Institut für empirische Sozialforschung GmbH, arbeiten WissenschafterInnen aus Graz, Innsbruck, Linz und Wien mit. Koordiniert wird die Studie vom Institut für Soziologie der Universität Graz.

Erstellt von Gudrun Pichler

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