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Donnerstag, 21.02.2019

Kopftuch ist gleich Kriminalität?

RechtspopulistInnen setzen auf gezielte mediale Provokation und unreflektierte Berichterstattung. Foto: shutterstock/ Ink Drop.

RechtspopulistInnen setzen auf gezielte mediale Provokation und unreflektierte Berichterstattung. Foto: shutterstock/ Ink Drop.

Tagung an der Universität Graz untersucht sprachlichen Populismus in Alltag und Öffentlichkeit

Populismus ist salonfähig geworden. Welche Strategien PolitikerInnen verwenden, um schwarz-weiß-malerische Konzepte im öffentlichen Diskurs zu platzieren, ist Thema einer Tagung an der Universität Graz. Germanistin Constanze Spieß, Co-Leiterin der Konferenz: „Über 20 internationale WissenschafterInnen zeigen auf, wie Populismus sprachlich sichtbar wird und welche Ziele politische AkteurInnen damit typischerweise verfolgen.“ Die Tagung findet von 28. Februar bis 1. März 2019 statt und ist gegen eine Gebühr von 20 Euro (für Studierende und GeringverdienerInnen: 10 Euro) öffentlich zugänglich.

Integrationsunwilligkeit, Asyltourismus, Bevölkerungsaustausch: All diese Begriffe haben in den öffentlichen Mainstream-Diskurs Einzug gehalten – und zwar indem einzelne PolitikerInnen bewusst provozieren. Constanze Spieß: „Die Strategie läuft immer nach demselben Schema ab. Rechtspopulistische Äußerungen werden in dem Wissen getätigt, dass sie einen medialen Aufschrei nach sich ziehen. Die Berichterstattung trägt bedenkliche Ausdrücke als Zitate weiter, so gelangen sie ins allgemeine Bewusstsein. Die UrheberInnen haben damit ihr Ziel erreicht und können sich selbst außerdem als Opfer eines überregulierenden Staates oder einer Hetzkampagne inszenieren.“ Auch Verschwörungstheorien sind ein wichtiges Instrument für PopulistInnen. Vor allem rechtsextreme Kreise schüren diese regelmäßig, erklärt Spieß und nennt zwei wiederkehrende Beispiele: „US-Milliardär George Soros, der versteckt angeblich Einfluss auf das Weltgeschehen nimmt, oder Angela Merkels unterstellte Absicht, Europa zu islamisieren.“

Nicht selten schüren RechtspopulistInnen auch den Eindruck, dass kriminelle Handlungen in direktem Zusammenhang mit geflüchteten Personen oder dem Islam an sich stehen, so die Germanistin. Diese Wahrnehmung werde auch durch unreflektierte journalistische Arbeit befeuert, meint die Wissenschafterin: „Die Nationalität von in Verdacht stehenden Personen wird zum Beispiel sehr oft gleich zu Beginn eines Berichts genannt, auch, wenn diese für das Verbrechen an sich nicht relevant ist.“ Dadurch werden Personengruppe pauschal bewertet und diskriminiert, schildert Spieß. Die Forscherin bezeichnet das als alte Rassismen in neuem Gewand: „In Zeiten der Kolonialisierung wurden bestimmten Ethnien als weniger wert dargestellt und deshalb in Abhängigkeitsverhältnisse gezwungen. Diese Einstellung sehen wir heute noch, zum Beispiel, wenn geforderte Nachtausgangsverbote für AsylwerberInnen als ‚Hausordnung‘ bezeichnet werden, oder wenn Unterkünfte für AsylwerberInnen fernab von öffentlicher Infrastruktur angesiedelt werden sollen.“

Neben rechtspopulistischen Strategien und Redeweisen werden auf der Tagung auch Linkspopulismus und das Phänomen der Radikalisierung thematisiert. Eine Podiumsdiskussion mit SprachwissenschafterInnen, MedienakteurInnen und Studierenden widmet sich außerdem der Frage nach den Grenzen des Sagbaren und Grenzverschiebungen in öffentlichen Diskursen.
Tagung: „Sprache – Politik – Gesellschaft: Sagbarkeiten in öffentlich-politischen Diskursen. Populismus – zwischen (konstruktiver) Kritik und Shitstorm in (internetbasierten) Medien“.

Zeit: Donnerstag, 28. Februar, bis Freitag, 1. März 2019, jeweils ab 9 Uhr
Ort: Universität Graz, Sitzungszimmer SZ 15.21, RESOWI-Zentrum, Universitätsstraße 15, Bauteil A/2
 

Erstellt von Gerhild Leljak

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