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Dienstag, 11.12.2012

Kugelfisch und stille Wasser

Personengruppe Foto: Stephanie Hofschlaeger_pixelio.de

Studie belegt falsche Selbsteinschätzung von Führungskräften

Stille Wasser sind tief: Dieses Sprichwort gilt auch für ChefInnen. Denn während zurückhaltende Vorgesetzte ihre Wirkung unterbewerten, überschätzen extravertierte Führungskräfte ihre Leistungen. Zu diesem Schluss kommt eine am Zentrum für Entrepreneurship und angewandte Betriebswirtschaftslehre der Uni Graz erstellte Studie, die Selbsteinschätzung im Zusammenhang mit Führungspersönlichkeit untersucht hat.

Sie präsentieren sich gesellig, offen und durchsetzungsstark, messen jedoch ihrem Wirkungsgrad zu viel Bedeutung bei. „Extravertierte Führungskräfte neigen dazu, ihre Effektivität zu überschätzen“, schildert Dr. Sabine Bergner vom Zentrum für Entrepreneurship und angewandte Betriebswirtschaftslehre. Äußerst bemerkenswert sei es, dass sich in unterschiedlichen Untersuchungen bis zu 80 Prozent der befragten Führungskräfte zu den Top 10 der Vorgesetzten des jeweiligen Unternehmens zählen. „Doch von außen werden sie als übertrieben und aufgeblasen wahrgenommen, wie ein Kugelfisch“, so die Psychologin an der Karl-Franzens-Universität. Und sie vergleicht es mit einer bekannten Redewendung: „Übermut tut selten gut.“ Ebenso hat sich im Zuge ihrer Studie ein anderes Sprichwort bewahrheitet: Stille Wasser sind tief. „Introvertierte Führungskräfte, also jene, die eher zurückhaltend, beobachtend und schweigsam sind, schätzen sich selbst viel schlechter ein, werden aber vom Umfeld wesentlich kompetenter beurteilt“, weiß Bergner.

Mehr als 200 Führungskräfte des mittleren Managements waren in das Forschungsprojekt eingebunden, das in Kooperation mit der Ashridge Business School bei London durchgeführt wurde. Dabei haben deren Vorgesetzte die Effektivität beurteilt, die der Selbsteinschätzung gegenübergestellt und mit dem Persönlichkeitsprofil kombiniert wurden. „Als Führungskraft ist es unerlässlich, die eigenen Stärken und Entwicklungsfelder gut zu kennen. Sowohl Über- als auch Unterschätzung des eigenen Wirkens können schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen“, fasst Sabine Bergner zusammen.

Die Forschungsaktivitäten am Zentrum für Entrepreneurship und angewandte Betriebswirtschaftslehre haben das Ziel, Problemstellungen aus der betrieblichen Praxis aufzugreifen und anwendungsfreundliche Lösungen zu erarbeiten. Immer wieder werden Führungskräfte gesucht, die an Studien zum Führungsverhalten teilnehmen. Nähere Informationen dazu unter: http://unternehmensfuehrung.uni-graz.at/de/forschen/

Erstellt von Andreas Schweiger

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