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Mittwoch, 25.05.2016

Lernen am Weg zur Schule

Zwischen dem Elternhaus und der Schule gibt es viele Ablenkungen. Die Kinder müssen lernen, trotzdem rechtzeitig ans Ziel zu kommen. Foto: Uni Graz/Egger, Hummel

Zwischen dem Elternhaus und der Schule gibt es viele Ablenkungen. Die Kinder müssen lernen, trotzdem rechtzeitig ans Ziel zu kommen. Foto: Uni Graz/Egger, Hummel

Wie sie den Schulweg erleben, haben Mädchen und Buben für das Projekt der Uni Graz zeichnerisch dargestellt.

Wie sie den Schulweg erleben, haben Mädchen und Buben für das Projekt der Uni Graz zeichnerisch dargestellt.

ErziehungswissenschafterInnen der Uni Graz untersuchen Bedeutung des öffentlichen Raumes für Kinder

Der schöne Spielplatz ist mit einem Zaun abgeriegelt, aus dem Schaufenster winken verbotene Verlockungen, an der Straßenkreuzung steht ein unverständliches Verkehrsschild. Am Schulweg bewegen sich Kinder eigenständig im öffentlichen Raum, der eigentlich für Erwachsene geschaffen ist. Wie sie das erleben und welche Erfahrungen sie dabei machen, haben Univ.-Prof. Dr. Rudolf Egger vom Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaft und Dr. Sandra Hummel vom Institut für Pädagogische Professionalisierung der Karl-Franzens-Universität untersucht.
„Die Strecke zwischen dem Elternhaus und seinen Normen und der Schule mit ihrem eigenen Regelwerk ist die erste Reise ins soziale Leben, auf der die Mädchen und Buben selbstständig unterwegs sind. Dort bieten sich Entfaltungsmöglichkeiten und Gelegenheiten zur Partizipation“, schildert Egger.
Diese Wege stellen demnach bedeutsame Lernwelten dar: Die Kleinen müssen sich organisieren, Dinge aushandeln und mit anderen kommunizieren. Es entstehen neue Kontakte, Gemeinschaften und Solidaritäten, die sich in der Schule fortsetzen. „In dem Kontext können sich Kinder soziale Teilhabe aneignen. Sie lernen mitzubestimmen, was sie betrifft“, erklärt Sandra Hummel.
Natürlich erleben SchülerInnen dabei auch Ängste und Schwierigkeiten, die sie überwinden müssen. Eine große Hürde ist für viele die Fahrt in Bus oder Straßenbahn, weil sie nicht hinaussehen, oft die Ansagen nicht verstehen und sich auch nicht zu fragen trauen. „Wenn sie dann etwa bei der falschen Haltestelle aussteigen und es dennoch schaffen, zum Ziel zu kommen, gibt das aber enormes Selbstvertrauen“, betont die Erziehungswissenschafterin. Trotz möglicher Gefahren und Unwegsamkeiten sollten Eltern auf jeden Fall ihrem Nachwuchs diesen Freiraum lassen. Durch Taxidienste bis zum Schultor nimmt man ihnen wichtige Lernerfahrungen, die den Selbstwert und die Eigenständigkeit fördern.

Für die von der Stadt Graz finanzierte Studie, die erstmals die kindliche Perspektive auf den öffentlichen Raum ins Zentrum rückt, wurden Mädchen und Buben sowie PädagogInnen und Eltern der Volksschulen Schönau und Ursulinen befragt. Die Ergebnisse, die kürzlich in Buchform erschienen sind, stoßen derzeit auf großes Echo. „Es geht uns auch darum, die Bedürfnisse der Kinder als Mitglieder der Gesellschaft ernst zu nehmen und bei der Gestaltung des öffentlichen Raumes zu berücksichtigen“, schildert Rudolf Egger. „Die SchülerInnen haben ein enormes Interesse bekundet, sich da auch einzubringen.“

Erstellt von Dagmar Eklaude

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