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Dienstag, 28.08.2012

Natürliche Wirkung

Traditionelle, pflanzliche Heilmittel gegen Alzheimer oder Diabetes stehen im Mittelpunkt des mehrtägigen Kongresses an der Uni Graz. Foto: Bauer.

Traditionelle, pflanzliche Heilmittel gegen Alzheimer oder Diabetes stehen im Mittelpunkt des mehrtägigen Kongresses an der Uni Graz. Foto: Bauer.

Internationaler Kongress an der Uni Graz untersucht traditionelle, pflanzliche Arzneimittel gegen Krankheiten wie Rheuma, Diabetes und Alzheimer

Traditionelles Wissen um pflanzliche Arzneimittel wird in allen Regionen der Welt seit Jahrtausenden mündlich weitergegeben. Weltweit besteht großes Interesse an der Dokumentation und wissenschaftlichen Evaluierung dieses Wissens. Zudem ist vor allem in Industrieländern derzeit ein verstärktes Interesse an natürlichen Arzneimitteln zu verzeichnen. Im Zuge dieser aktuellen Bewegungen versammelt ein internationaler Kongress von 2. bis 6. September 2012 über 400 WissenschafterInnen aus über 60 Ländern an der Karl-Franzens-Universität Graz, die dieses tradierte Wissen sammeln und die betreffenden Wirkstoffe wissenschaftlich prüfen. Daraus erhoffen sich die ForscherInnen unter anderem neue Erkenntnisse für die effektive Therapie von alterungsbedingten Erkrankungen, wie zum Beispiel Rheuma, Diabetes Typ 2 oder Morbus Alzheimer.


„Althergebrachtes Wissen ist nicht nur wertvoll, sondern auch gefährdet“, betont Univ.-Prof. Dr. Rudolf Bauer, Leiter des Instituts für Pharmazeutische Wissenschaften der Uni Graz und Vorsitzender des Kongresses. „Daher ist es besonders wichtig, die vorhandenen Kenntnisse zu dokumentieren und zu untersuchen, auf welche Weise bestimmte Stoffe in speziellen Kombinationen auf den Organismus wirken und warum.“ Hierbei sind die Forschungen unterschiedlich weit gediehen, erklärt Bauer: „Gut erschlossen ist beispielsweise ein östrogen-ähnlich wirkender Stoff im Hopfen, der bei postmenopausalen Beschwerden hilft. Auch das unter anderem im Rotwein enthaltene Resveratrol ist für seine antioxidatische und entzündungshemmende Wirkung bekannt.“

Bei anderen Heilmitteln, die das Potenzial für die Verarbeitung zu Medikamenten hätten, steht die Wissenschaft noch am Anfang. So könnte das aus der Amazonaspflanze „Himatanthus sucuuba“ (Familie der Hundsgiftgewächse) gewonnene Plumericin gegen Arteriosklerose und Rheuma eingesetzt werden, die in Guinea heimische Hülsenfrüchtler „Anarcadium occidentale“ bei Diabetes Typ 2 oder das Indische Basilikum „Ocimum sanctum“ in der Alzheimertherapie. Auch hierzulande bekannte Gewächse können sich positiv auf die Gesundheit auswirken, wie etwa die ursprünglich aus Zentralasien stammenden Zwiebeln und der Knoblauch, die positive Wirkungen auf den Fettstoffwechsel haben.


Die Wirkweise traditionell eingesetzter Heilmittel aus der Natur ist aber nur einer von vielen Aspekten, mit dem sich der 13. Kongress der Internationalen Gesellschaft für Ethnopharmakologie auseinandersetzt, betont Rudolf Bauer: „Die Identitätsprüfung der Pflanzen, sowie die Kontrolle der Qualität der gewonnenen Extrakte sind essentielle Schritte bevor weitere Analysen der Wirkung erfolgen können.“ Auf dem Gebiet der Ethnopharmakologie arbeiten BotanikerInnen, ChemikerInnen, PharmazeutInnen, PharmakologInnen, ToxikologInnen und MedizinerInnen eng zusammen, um ihre Expertisen in den komplexen Prozess der eindeutigen Beweisfindung für die positive Wirkung eines Arzneimittels einzubringen.


13th Congress of the International Society for Ethnoparmacology
Zeit und Ort: 2.-6. September 2012, Aula der Karl-Franzens-Universität Graz

Kontakt:
Univ.-Prof. Dr. Rudolf Bauer
Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der Karl-Franzens-Universität Graz
Tel.: 0316/380-8700
E-Mail: rudolf.bauer(at)uni-graz.at

Erstellt von Gerhild Kastrun

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