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Mittwoch, 19.09.2012

Reisen im Alltag

Campingbus in der Stadt

Mobilität hat viele Gesichter: Immer mehr Menschen verteilen ihre Lebenswelt auf mehrere Orte.

WissenschafterInnen der Uni Graz erforschen touristische Elemente in den Lebenswelten der Menschen

Schanigärten bringen südländisches Flair in die heimischen Städte. In Flip-Flops schlendern Menschen im Sommer durch die Straßen, um sich dann in einem Café bei einem „Iced Latte“ zu erfrischen. Das, was einst dem Urlaub vorbehalten war, hat mittlerweile Einzug in den Alltag gehalten. Touristische Elemente beeinflussen die Lebenswelten der Menschen in vielfältiger Weise – auch zu Hause. Unter dem Titel „Mobilitäten“ widmet sich von 20. bis 22. September 2012 die 10. Tagung der Kommission Tourismusforschung der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde in Graz verschiedensten Erscheinungsformen des Touristischen.

 

„Wir interessieren uns weniger für Tourismus im engeren Sinn als vielmehr für seine Alltagsbezüge und den gesellschaftlichen Zusammenhang, in dem er zu betrachten ist“, betont Univ.-Prof. Dr. Johanna Rolshoven, Leiterin des Instituts für Volkskunde und Kulturanthropologie der Uni Graz. „Tourismus ist nur ein Aspekt im größeren Kontext wachsender Mobilität“, erklärt die Wissenschafterin, die mit ihren MitarbeiterInnen die Tagung in Graz organisiert hat.

 

Ein Phänomen, das Johanna Rolshoven untersucht, ist die sogenannte Multilokalität. „Immer mehr Menschen verteilen ihre Lebenswelt auf verschiedene Orte“, erläutert die Forscherin: „Kinder pendeln zwischen ihren getrennt lebenden Eltern hin und her, SteirerInnen arbeiten in Wien und wohnen vielleicht unter der Woche auch dort, StädterInnen flüchten am Wochenende in ihr Häuschen auf dem Land“, nennt Rolshoven einige Beispiele.
Allen gemeinsam sei das „Reisen“ von einem Ort zum anderen, ein touristisches Element, das auch ganz eigene Emotionen hervorrufe.

Im Rahmen einer Lehrveranstaltung interviewten Studierende unter der Leitung von Rolshoven Menschen in der Steiermark, die an mehreren Orten leben. Sie fragten nach persönlichen Beweggründen, Gefühlen, Wünschen, Schwierigkeiten. Dabei habe sich unter anderem gezeigt: „Multilokalität hat häufig eine Entlastungsfunktion. Verlässt man einen Ort, bleiben auch damit verbundene Anforderungen und ein Stück Alltag zurück. Das verleiht vielen ein Gefühl der Freiheit“, berichtet die Wissenschafterin.

 

„Mobilitäten“

10. Tagung der Kommission Tourismusforschung der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde

20. bis 22. September 2012, Graz

>> mehr Informationen zur Tagung

Erstellt von Gudrun Pichler

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