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Donnerstag, 30.03.2017

Unbekannter Feind

Wissen über Viren ist wichtig, um bei viralen Erkrankungen nicht die falschen Medikamente zu nehmen. Foto: pixabay

Wissen über Viren ist wichtig, um bei viralen Erkrankungen nicht die falschen Medikamente zu nehmen. Foto: pixabay

Studie der Uni Graz zeigt mangelhaftes Viren-Wissen steirischer SchülerInnen und Studierender auf

Wenn der Hals schmerzt und die Nase rinnt, können verschiedene Übeltäter dafür verantwortlich sein. Je nachdem, ob Viren oder Bakterien hinter einer Infektion stecken, sind unterschiedliche Behandlungen angezeigt. Doch leider lässt das Wissen der Bevölkerung diesbezüglich zu wünschen übrig. Laut dem letztjährigen Bericht zu antimikrobiellen Resistenzen der Europäischen Kommission gaben 63 Prozent der befragten ÖsterreicherInnen an, dass Viren durch Antibiotika abgetötet würden. Ein Irrtum, der zu unnötigem Medikamenten-Konsum führt und damit die Entstehung von Resistenzen weiter fördert. WissenschafterInnen der Karl-Franzens-Universität Graz haben untersucht, was SchülerInnen und Studierende in der Steiermark über Viren sowie die Behandlung viraler Erkrankungen wissen. Die Ergebnisse der soeben im Online-Fachjournal PLoS One veröffentlichten Studie zeigen, dass in der Schule differenzierteres Wissen vermittelt werden sollte.

Über 300 steirische SchülerInnen der 7. und 10. Schulstufe sowie mehr als 300 StudienanfängerInnen der Uni Graz nahmen an der Studie von Ass.-Prof. Dr. Uwe Simon (Fachdidaktikzentrum Biologie und Umweltkunde), MMag. Sonja Enzinger, mittlerweile AHS-Lehrerin, und Assoz. Univ.-Prof. Dr. Andreas Fink (Institut für Psychologie) teil. Ziel war, das Viren-Wissen von jungen Menschen zu erheben. „Insgesamt zeigte sich, dass viele TeilnehmerInnen relativ gut über Viren, von ihnen verursachte Krankheiten und Präventionsmaßnahmen Bescheid wissen. Dennoch gibt es in einigen Bereichen erstaunlich große Lücken, insbesondere in Bezug darauf, wie sich Viren vermehren und was Viren eigentlich sind“, fasst Uwe Simon die Ergebnisse der Studie zusammen. „Hier muss im Schulunterricht deutlicher eine Abgrenzung zu Bakterien und anderen Krankheitserregern erfolgen“, fordert der Forscher und ergänzt: „Da sehr viele TeilnehmerInnen aller Altersklassen in unserer Befragung ein hohes Interesse an Viren zeigten, dürften LehrerInnen beim Erarbeiten dieses Themas auf ausgesprochen offene Ohren stoßen.“

Die Untersuchung ergab, dass das Wissen über Aufbau, Vermehrung, und Übertragung von Viren mit dem Alter zwar deutlich zunahm, zwischen SchülerInnen der 10. Schulstufe und Studierenden der Geisteswissenschaften ließen sich jedoch keine signifikanten Unterschiede mehr feststellen. Simon sieht das kritisch: „Da die jungen Menschen in ihrem weiteren Studium kein diesbezügliches Wissen erwerben dürften, ist zu befürchten, dass grundlegende Mängel in ihrem Verständnis von Viren lebenslang bestehen bleiben.“ Das könne beispielsweise dazu führen, dass selbst akademisch gebildete Erwachsene nicht über die Wirkungslosigkeit von Antibiotika gegen Viren Bescheid wissen.
StudienanfängerInnen der Biologie offenbarten bei weitem das beste Wissen über Viren. Doch fanden sich auch bei vielen von ihnen gravierende Verständnislücken. So bezeichneten nicht wenige einen Virus als Zelle oder Bakterium. Als virale Erkrankungen wurden achtmal bakterielle Krankheiten wie etwa die Pest genannt, und immerhin 13 Biologiestudierende hielten Malaria für eine Erkrankung mit viraler Ursache.

Publikation
“The evil virus cell”: Students’ knowledge and beliefs about viruses
Uwe K. Simon, Sonja M. Enzinger, Andreas Fink
PLoS One, 28. März 2017

Die Publikation der Studie wurde durch die finanzielle Unterstützung des NAWI-Dekanats möglich gemacht.

Erstellt von Uwe Simon & Gudrun Pichler

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