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Mittwoch, 21.07.2021

Arsen und Babyhäubchen

ChemikerInnen der Universität Graz haben eine Methode gefunden, schädliche Arsen-Konzentration im Reis massiv zu senken. Foto: white kim - pixabay

ChemikerInnen der Uni Graz haben eine Methode gefunden, schädliche Arsen-Konzentration im Reis massiv zu senken. Foto: white kim - pixabay

Uni-Graz-ChemikerInnen senken Giftstoff in Kindernahrung aus Reis

Für unsere Kinder nur das Beste. Nahrhafte Reisflocken, schmackhafte Reiswaffeln. Doch was tun, wenn das Getreide gar nicht so gesund und mit Arsen belastet ist? ChemikerInnen der Universität Graz haben eine Methode gefunden, die Konzentration im Reiskorn zu senken: Dem Boden hinzugefügtes granuliertes Eisen reduziert Arsen enorm.

Im Hollywoodklassiker „Arsen und Spitzenhäubchen“ oder bei Agatha Christie spielt das chemische Element eine mörderische Rolle. Detektivischen Spürsinn besitzt auch Jörg Feldmann, Umweltchemiker an der Universität Graz. Denn Gift in Lebewesen und Nahrung sind seine Spezialität. So hat der Forscher mit KollegInnen die Grundlagen dafür geschaffen, dass die Europäische Union seit 2016 einen maximalen Grenzwert von Arsen im Reis gesetzlich festgeschrieben hat. Bei Kleinkindern gelten sogar noch strengere Vorschriften. Die Folge: „Hochqualitativer Rohstoff ist aufgrund des niedrigen Limits vor allem für Babynahrung stark nachgefragt, aber schwer zu bekommen“, bestätigt Feldmann.
Daher stellten WissenschafterInnen der Uni Graz, der University of Aberdeen (UK) sowie der Lilongwe University of Agriculture and Natural Resources (Malawi) Überlegungen an, die giftige Substanz in einem der weltweit wichtigsten Lebensmittel zu reduzieren.
So wissen die ForscherInnen, dass unter anderem die Anbaumethode über das Auftreten des toxischen Arsens entscheidet. „Wenn man ein Reisfeld flutet, ändert Wasser im Boden die chemische Formel der Verbindung“, erklärt Feldmann. „Arsenat wird zu Arsenit, das von der Pflanze anders und bevorzugt auf landwirtschaftlichen Flächen aufgenommen und im Korn gespeichert wird.“
Im Zuge einer umfassenden Studie in Malawi (Südostafrika) versuchten die ChemikerInnen, diesen Prozess zu beeinflussen. Bei den Reissorten Kilombero und Faya reicherten sie die bewässerten Ackerflächen mit granulierten Eisenspänen an. Feldmann: „Wir haben festgestellt, dass Arsen sich mit dem Eisen verbindet.“

Der Effekt: Die Konzentration des Schadstoffs konnte um 80 Prozent gesenkt werden. Und als positive Begleiterscheinung ging auch der Gehalt von Cadmium, ebenso toxisch, um ein Drittel zurück – ohne Ernteeinbußen, wie der Forscher anmerkt.
In weiteren Projekten soll nun sowohl der großflächige Anbau als auch die Anwendung für andere Sorten untersucht werden.

Generell sieht Jörg Feldmann keinen Grund, Reis vom Speiseplan zu verbannen. Denn die Rede ist stets von anorganischem Arsen, das in der EU streng reglementiert ist. Außerdem hänge die Konzentration von vielen Faktoren wie Kornsorte, Anbauregion und Schälung ab.

Der Artikel wurde kürzlich im Fachjournal „Science of The Total Environment“ online veröffentlicht.

Erstellt von Andreas Schweiger

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