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Donnerstag, 31.01.2019

Ins Nest mit der Schwägerin

Buntbarsch-Männchen bei der Brutpflege: Manche kümmern sich auch um fremden Nachwuchs. Foto: Uni Graz/Bose ©Aneesh Bose

Buntbarsch-Männchen bei der Brutpflege: Manche kümmern sich auch um fremden Nachwuchs. Foto: Uni Graz/Bose

Team der Uni Graz fand heraus, warum manche Tiere verwandte Nebenbuhler dulden

Männer, die Nebenbuhler ins Nest lassen? Väter, die bereitwillig fremde Junge großziehen? Das erstaunt, da es im Tierreich eigentlich darum geht, möglichst viele eigene Nachkommen zu zeugen und Rivalen nicht zum Zug kommen zu lassen. In einer soeben erschienenen Publikation in BMC Biology kann Kristina Sefc vom Institut für Biologie der Universität Graz mit ihrem Team einen Teil des Rätsels klären.

Wenn ein „monogam“ lebendes Buntbarsch-Weibchen mit der Eiablage beginnt – im Regelfall klebt es mehr als hundert gut geschützt in Felsritzen und hinter Vorsprünge –, lauern neben seinem Männchen zehn und mehr fortpflanzungswillige Singles auf ihre Chance, ebenfalls Spermienflüssigkeit zu entlassen. „Der Partner ist also großer Konkurrenz ausgesetzt und hat gar keine Chance, alle Nebenbuhler abzuwehren“, schildert Sefc. Durch aufwändige genetische Untersuchungen haben die ForscherInnen herausgefunden, dass die fremden Väter im Schnitt näher mit den „gehörnten“ Nestbesitzer verwandt sind, als man es bei zufälligen Zusammentreffen erwarten würde. „Die Devise lautet also offensichtlich: ‚Hauptsache, es bleibt in der Familie‘“, fasst die Biologin zusammen. Wenn das Männchen schon auf eigene Nachkommen verzichten muss, stellt es so zumindest sicher, dass ein Teil seiner Gene dennoch weitergegeben wird.
Aus evolutionsbiologischer Sicht wäre es für die sogenannten „Cuckolders“, also der alleinstehenden Eindringlinge, aus demselben Grund allerdings sinnvoller, in völlig fremden Nestern Eier zu befruchten, denn auch für sie ist der Nachwuchs von Verwandten ein Gewinn. „Angesichts der großen Zahl an Nebenbuhlern kann es aber auch für sie ein Vorteil sein, sich innerhalb der Familie zu konkurrenzieren, wo sie mit weniger Aggression seitens der Nestbesitzer rechnen können“, folgert Sefc. Wie das Forschungsteam aus Modellrechnungen und Beobachtungen rückschließen konnte, scheinen die verwandten Männchen eine für beide vorteilhafte Allianz einzugehen. „Damit werfen wir ganz neues Licht auf das Phänomen ‚Cuckoldry‘ und seine Folgen für die beteiligten Akteure“, betont die Wissenschafterin.

Treue macht sich bezahlt
Die BiologInnen analysierten über hundert Buntbarsch-Nester und verglichen die Verwandtschaftsverhältnisse der Nachkommen. Dabei fanden sie außerdem heraus, dass liierte Männchen so gut wie nie fremdgehen und pro Kopf dennoch wesentlich größere Zeugungserfolge haben als Singles. Die „Cuckolders“ konzentrieren sich nämlich im Regelfall auf ein einziges Nest und können dort gemeinsam nur etwa die Hälfte der Brut befruchten.
„Unsere Untersuchung hilft uns weiter, die Reproduktionsstrategien von Tieren besser zu verstehen. Es wäre hoch interessant herauszufinden, welche anderen Arten ebenfalls verwandte Nebenbuhler akzeptieren“, schildert Sefc.

Die Studie ist Teil des vom Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekts „Coping with cuckoldry – How to mitigate the fitness costs of lost paternity“

Publikation:
Aneesh P. H. Bose, Jonathan M. Henshaw, Holger Zimmermann, Karoline Fritzsche and Kristina M. Sefc: Inclusive fitness benefits mitigate costs of cuckoldry to socially paired males, BMC Biology, DOI: 10.1186/s12915-018-0620-6

Kristina Sefc hat den Durchblick in der Verhaltensforschung: Sie klärte, warum manche Buntbarsche Nebenbuhler ins Nest lassen. Foto:Uni Graz/Kanizaj
Kristina Sefc hat den Durchblick in der Verhaltensforschung: Sie klärte, warum manche Buntbarsche Nebenbuhler ins Nest lassen. Foto:Uni Graz/Kanizaj
Erstellt von Dagmar Eklaude

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