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Donnerstag, 03.09.2020, Universität, Forschen

Universität Graz veröffentlicht Leitfaden zur Integration von Geflüchteten in Betrieben

Fünf Jahre sind seit Beginn der so genannten Flüchtlingskrise vergangen, die auch Österreich seitdem auf verschiedenen Ebenen beschäftigt. Erst kürzlich hat sich ein steirisches Unternehmen geschlossen gegen die Abschiebung eines afghanischen Lehrlings gestellt. Gerade in Mangelberufen setzen zahlreiche Betriebe auf Schutzberechtigte als MitarbeiterInnen. Sprachbarrieren oder falsche Erwartungen hemmen allerdings immer wieder die Integration. Renate Ortlieb vom Institut für Personalpolitik der Universität Graz hat nun einen kompakten, übersichtlichen Praxis-Leitfaden für ArbeitgeberInnen herausgegeben, der solche Hürden aus dem Weg räumen und die Vorteile kultureller Vielfalt verdeutlichen soll.

„Eine Vertrauensperson, die im Team vermitteln kann, das Arbeiten Schulter an Schulter und Lern-Listen, die regelmäßig den Fortschritt dokumentieren, sind drei einfache und sehr effiziente Maßnahmen“, fasst Ortlieb zusammen. PatInnen oder MentorInnen, die für wechselseitiges Verständnis sorgen, tragen wesentlich dazu bei, dass sich MitarbeiterInnen aus anderen Kulturkreisen gut eingliedern können. Unter den Fittichen von KollegInnen in mehrere Bereiche des Betriebes hineinzuschnuppern, fördert die Sprachkenntnisse, das Wissen um das Unternehmen sowie den sozialen Zusammenhalt. Und mit strukturierten Listen und Gesprächen werden Erwartungen definiert und Missverständnisses frühzeitig ausgeräumt.

Der Ratgeber „Geflüchtete im Betrieb: So gelingt Integration“ enthält kompakte Tipps und Beispiele aus der Praxis und zielt auf die optimale Zusammenarbeit und Kompetenzentfaltung aller MitarbeiterInnen ab. Der Publikation, die unter https://static.uni-graz.at/fileadmin/sowi-institute/Personalpolitik/Pdf/Ortlieb_2020_Gefluechtete_im_Betrieb_Leitfaden.pdf abrufbar ist, liegen ausführliche Studien zugrunde. In den von der Österreichischen Nationalbank bzw. dem Land Steiermark geförderten Projekten LAMIRA (Labour Market Integration of Refugees in Austria – Arbeitsmarktintegration von geflüchteten Menschen in Österreich) und INREST (Integration of Refugees in Styrian Companies – Integration von Geflüchteten in steirische Betriebe) hat Ortlieb mit ihrem Team unter anderem untersucht, welche Arbeitsbedingungen Schutzberechtigte vorfinden, wie sie ihre Kompetenzen nutzen können und wie gut sie sozial eingegliedert sind. „Wichtig wäre, dass KollegInnen und Vorgesetzte das Anderssein der geflüchteten MitarbeiterInnen anerkennen und die Vielfalt wertschätzen. Das verringert generell das Konfliktpotenzial im Unternehmen, auch unter Einheimischen“, betont die Wissenschafterin.

Mehr Infos zur Forschung: https://news.uni-graz.at/de/detail/article/im-job-angekommen/

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