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Universität Graz Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit Presseaussendungen Biologische Brücken bauen: Chemikerin findet ökologisches Werkzeug für Pharmaindustrie
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Mittwoch, 22.04.2026

Biologische Brücken bauen: Chemikerin findet ökologisches Werkzeug für Pharmaindustrie

Lilla Gal hält das Modell des von ihr entdeckten Enzyms in der Hand

Natürliches Werkzeug für nachhaltige Produktion: Lilla Gal hat ein neues Enzym für die Herstellung von Medikamenten oder Desinfektionsmittel gefunden und seine Struktur entschlüsselt. Foto: Uni Graz/Eklaude

Eine Beziehung auf eine solide Basis zu stellen, ist auch in der Chemie wichtig. Für die Herstellung von Medikamenten, Desinfektions- oder Pflanzenschutzmitteln muss man stabile Verbindungen zwischen Kohlenstoff-Atomen aufbauen. Herkömmliche chemische Methoden greifen auf umweltschädliche Reagenzien und Lösungsmittel zurück, um die gewünschte Reaktion durchzuführen. Dabei entstehen auch unbrauchbare Nebenprodukte. Die Chemikerin Lilla Gal hat ein Enzym gefunden, das denselben Prozess effizient und nachhaltig ablaufen lässt. Die Ergebnisse ihrer Forschung sind kürzlich im renommierten Journal Angewandte Chemie erschienen.

„Das Enzym, das wir gefunden haben und für unsere Untersuchungen verwenden, wird von einem Bakterium produziert“, erklärt Lilla Gal. Für die Reaktion braucht es lediglich eine wässrige Lösung und Temperaturen um die 30 Grad Celsius, also weder Chemikalien noch große Energiemengen. Das neu entdeckte Werkzeug kann beispielsweise in nur einem Schritt eine Substanz für ein Malaria-Medikament herstellen, und das völlig ohne Nebenprodukte. „Bei herkömmlichen Methoden entsteht rund 60 Prozent Abfall. Dieses perfekte Ergebnis hat uns selbst überrascht“, berichtet Gals Dissertationsbetreuer Wolfgang Kroutil. 
Das Enzym kann weiters für die Produktion von Antifraßmitteln oder antibakteriellen Wirkstoffen eingesetzt werden. In einem nächsten Schritt versucht Gal nun, durch Manipulationen des Werkzeugs die Herstellung weiterer chemischer Verbindungen zu ermöglichen.

Gals Projekt ist Teil des europäischen Marie-Curie-Trainingsnetzwerks „BioDeCCodiNNg“, das sich damit beschäftigt, neue und umweltfreundlichere Wege zu finden, um Verknüpfungen zwischen Atomen herzustellen. Im Fokus stehen dabei Bindungen zwischen Kohlenstoff- oder Stickstoff-Atomen. Enzyme, also Werkzeuge der Natur, können solche Reaktionen meist besonders umweltschonend und effizient ermöglichen.

Publikation:
Lilla Gal, Suresh Rohan, Anna Zadlo-Dobrowolska, Bianca Hilweg, Judith Müller, Kai Tittmann, Wolfgang Kroutil: Biocatalytic Regioselective C-Formylation of Resorcinol Derivatives, Angewandte Chemie Volume 65, Issue 10

Erstellt von Dagmar Eklaude

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