Seit 2023 können Personen mit beruflicher Vorerfahrung und begleitender pädagogischer Ausbildung unterrichten. „Es gibt nicht die eine Gruppe der Quereinsteiger:innen“, schickt Melanie Gürentz voraus. Jede Person habe unterschiedliche Beweggründe, sich für die Arbeit im Klassenzimmer zu entscheiden. Das Spektrum reiche von echter Berufung bis zum Antrieb, viele Ferienwochen zu haben, weiß sie aufgrund der qualitativen Studie mit 13 Lehrer:innen in allgemeinbildenden Pflichtschulen in Graz. Die Motivation wirkt sich letztendlich auf die Identifikation von Quereinsteiger:innen mit ihrer Tätigkeit und damit wiederum auf die Schüler:innen aus. „Wer sich klar mit dem Beruf identifiziert, ist eher motiviert im Schulbetrieb zu bleiben“, bestätigt Melanie Gürentz. Distanz könne auf einen erneuten Jobwechsel hindeuten.
Quereinsteiger:innen mit facheinschlägiger Berufserfahrung werden für ein bestimmtes Fach zertifiziert. Es komme aber vor, dass sie für fachfremde Disziplinen eingesetzt werden, um Lücken zu überbrücken, berichtet die Bildungswissenschaftlerin. „Insgesamt problematisch für die Qualität des Unterrichts“, so ihre Einschätzung. Gleichzeitig haben viele eine volle Lehrverpflichtung und absolvieren parallel pädagogische Kurse im Rahmen des Hochschullehrgangs „Quereinstieg Lehramt Sekundarstufe“.
Altruistischer Antrieb
Die Motivation von fachgeprüften Lehrer:innen und Quereinsteiger:innen hat Claudia Mair in einer parallelen Untersuchung verglichen. Dazu hat die Doktoratsstudentin österreichweit 619 Pädagog:innen in Mittel-, Polytechnischen Schulen sowie AHS befragt. Mairs Befund: Bei Quereinsteiger:innen ist der altruistische Antrieb etwas stärker ausgeprägt. Sie beschreibt: „Sie wollen den Schüler:innen etwas weitergeben und einer sinnstiftenden Aufgabe nachgehen.“ Gravierender sind die Unterschiede sowohl bei digitalen als auch bei kommunikativen Kompetenzen. „Dieses Wissen aus dem früheren Beruf kommt bei Planung und Fachlichkeit sehr gut zur Anwendung. Zu den Herausforderungen zählen hingegen das Management im Klassenzimmer, die Benotung oder bürokratische Abläufe betrifft“, stellt Mair fest.
Ob der Einstieg in die Schule gelingt, hänge an einzelnen Personen, nicht an Strukturen, mahnt Claudia Mair: „Entscheidend für Zufriedenheit und Verbleib in der pädagogischen Arbeit ist weniger die Belastung als das Erleben, den Anforderungen gerecht zu werden.“
Die bedeutende Rolle des Schulklimas, bestätigt Melanie Gürentz: „Ausschlaggebend ist, wie gut sie von Kolleg:innen und der Direktion angenommen werden oder wie gut das begleitende Mentoring-Programm funktioniert.“ Die Pädagogin selbst freut sich wieder auf den Unterricht. Sie kehrt mit September nach ihrem Doktoratsstudium an der Uni Graz als AHS-Lehrerin für Englisch und Französisch ins Klassenzimmer zurück.
Lehramtsstudium
Die Uni Graz trägt mit dem Lehramtsstudium für mehr als 20 Unterrichtsfächer dazu bei, den Lehrer:innen-Mangel zu beheben. Mit dem aktuellen Wintersemester 2026/2027 wurde das Bachelorstudium von acht auf sechs Semester verkürzt. Das daran anschließende Masterstudium dauert vier Semester. Im Studienjahr 2024/25 schlossen rund 450 Absolvent:innen ihre Ausbildung ab.