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Montag, 22.06.2026

Sparen, investieren oder absichern? Was Österreicher:innen vom Staat erwarten

Zwei Erwachsene mittleren Alters stehen nebeneinander im Freien, halten eine Österreichkarte in der Hand und blicken gemeinsam in die Kamera. ©Uni Graz/Tzivanopoulos
©Uni Graz/Tzivanopoulos

Markus Hadler und Petra Müller erforschen die Einstellungen der Österreicher:innen. Foto: Uni Graz/Tzivanopoulos

Österreich muss sparen. Doch wo? Und wofür soll die Republik überhaupt Geld ausgeben? Die Antworten liefern erste Ergebnisse einer großen Studie mit Beteiligung der Universität Graz. 99 Prozent der Befragten sind dafür, dass der Staat die gesundheitliche Versorgung sicherstellt. Fast drei Viertel wünschen sich mehr öffentliche Mittel für Bildung, Einsparungen begrüßen in diesem Sektor nur etwa drei Prozent.

„Die politische Debatte ums Sparbudget wirkt stark polarisiert“, beobachtet Uni-Graz-Soziologe Markus Hadler. Doch wie denken die Österreicher:innen, in welchen Bereichen investiert und gespart werden? Darauf haben heuer zwischen Februar und April mehr als 1400 Personen im Rahmen des Sozialen Survey Österreich geantwortet. Diese österreichweite Umfrage erhebt regelmäßig die Einstellungen von über 16-Jährigen und wird von Markus Hadler sowie Petra Müller von der Uni Graz gemeinsam mit Fachkolleg:innen der Universitäten, Salzburg und Linz sowie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften durchgeführt.
„Bei den grundlegenden Aufgaben des Staates ist sich die Bevölkerung weitgehend einig“, fasst Hadler zusammen. „Die Unterschiede beginnen bei der Frage, wo zusätzlich investiert, stärker reguliert oder gespart werden soll.“

Gesundheitsversorgung

99 Prozent der Befragten sehen die öffentliche Hand in der Verantwortung, die gesundheitliche Versorgung zu sichern. 95,8 Prozent erwarten, dass älteren Menschen ein angemessener Lebensstandard garantiert wird. „Mehr als 80 Prozent sind überzeugt, dass der Staat für die Unterstützung von Studierenden aus einkommensschwächeren Familien, die Kontrolle der Preise, die Gleichstellung von Frauen und Männern sowie strenge Umweltauflagen für die Industrie sorgen müsse“, nennt Petra Müller weitere Resultate.

Kürzungen

Weniger Übereinstimmung besteht dort, wo es um die konkrete Verteilung öffentlicher Mittel geht. Hadler führt den Zwiespalt aus: „Zwar befürworten rund sieben von zehn grundsätzlich Kürzungen im Staatsbudget. Gleichzeitig wünschen sich 78,4 Prozent höhere Aufwendungen für das Gesundheitswesen und 71,2 Prozent für Bildung, also sowohl für Schulen als auch Universitäten.“ Mehr als die Hälfte spricht sich dafür aus, dass die Republik für Pensionen mehr ausgeben sollte. Kürzungen werden am ehesten bei Arbeitslosenunterstützung sowie in den Bereichen Kultur und Kunst akzeptiert.

Förderung von Innovation

Bei den Maßnahmen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage zeigten sich laut Studie – abhängig von der Sympathie für eine Partei – klare Präferenzen. Am stärksten unterstützt wird die Förderung von Innovation: 83 Prozent begrüßen staatliche Hilfe bei der Entwicklung neuer Produkte und Technologien. Beschäftigungsprogramme, die Unterstützung von Industriezweigen zur Sicherung von Arbeitsplätzen finden ebenfalls mehrheitlich Zustimmung. Geringen Zuspruch gibt es für eine allgemeine Verkürzung der Arbeitszeit, um zusätzliche Jobs zu schaffen.

Wer sich für aktuelle Themen und Entwicklungen unserer Gesellschaft interessiert, studiert an der Uni Graz Soziologie.  

Erstellt von Andreas Schweiger

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