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Dienstag, 09.10.2012

Gerechte Strafe?

100 Jahre Kriminologie in Graz: Ein Kongress knüpft an die Visionen von Otto Gross an.

100 Jahre Kriminologie in Graz: Ein Kongress knüpft an die Visionen von Otto Gross an.

Ein Kongress an der Uni Graz beleuchtet die Entwicklung der Kriminologie in den vergangenen 100 Jahren

1912 gründete Hans Gross (1847–1915) das kriminologische Institut an der Karl-Franzens-Universität Graz mit dem Ziel, ExpertInnen aus Theorie und Praxis im Kampf gegen das Verbrechen zu vereinen. Wegen der zunehmenden Spezialisierung und Differenzierung der Disziplinen blieb Gross‘ Vision utopisch, die Kriminalwissenschaft erlebte ab diesem Zeitpunkt aber dennoch eine erfolgreiche Entwicklung. 100 Jahre später ist ihre Situation jedoch weiterhin teils prekär: Während die Kriminologie, die sich mit dem Verbrechen und VerbrecherInnen auf einer theoretischen Ebene auseinandersetzt, gut institutionalisiert ist, fristet die Kriminalistik, also die konkrete Aufklärung von Straftaten, oft noch ein Schattendasein.

 

Ein internationaler Kongress an der Uni Graz vom 18. bis zum 20. Oktober 2012 knüpft an Gross‘ Traum, die Kriminologie und die Kriminalistik in einer grenzüberschreitenden Herangehensweise zusammenzufassen, an: WissenschafterInnen aus unterschiedlichen Fachgebieten, Vertreter des österreichischen Bundesministeriums für Inneres sowie der leitende Staatsanwalt der Staatsanwaltschaft Graz, Dr. Thomas Mühlbacher, gehen gemeinsam dem vielschichtigen Thema der Kriminalität auf den Grund.

 

Priv.-Doz. DDr. Christian Bachhiesl, Kustos und Kurator des „Hans Gross Kriminalmuseums“, verrät einige Schwerpunkte: „Neben der durchwegs engen Vernetzung von Wissenschaft und Anwendung zeichnet den Kongress vor allem die Einbindung exzellenter NachwuchswissenschafterInnen aus. Sie referieren zum Beispiel zu Giftmorden in der Steiermark, perfektioniertem Geigenspiel im Gefängnis oder Kleidung als wesentlichem Element in einem Prozess.“

 

Juristen aus der Ukraine und Kirgistan berichten über den aktuellen Stand der Kriminalistik sowie über Vorgehensweisen bei der Verbrechensuntersuchung und Gerichtsverhandlungen. Ein erkenntnistheoretischer Teil geht schließlich der Frage nach, ob die Wahrheit hinter einem Verbrechen durch das Kombinieren von kausalen Fakten allein überhaupt gefunden werden kann. Bachhiesl: „Was uns die CSI-Serien vermitteln – dass die TäterInnen mit den richtigen technischen Hilfsmitteln immer ausgeforscht werden können – trifft oft nicht zu.“


Kongress: „100 Jahre Kriminologie in Graz. Kriminologische Entwicklungslinien interdisziplinär betrachtet“
Zeit: Donnerstag, 18. Oktober, bis Samstag, 20. Oktober 2012, Eröffnung um 8:45 Uhr
Ort: SZ 01.18., Hauptgebäude der Karl-Franzens-Universität, Universitätsplatz 3/1, 8010 Graz


Was uns die CSI-Serien vermitteln – dass die TäterInnen mit den richtigen technischen Hilfsmitteln immer ausgeforscht werden können – trifft oft nicht zu.“ - Christian Bachhiesl

Erstellt von Gerhild Kastrun

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