Sich in drei Minuten möglichst viele Verwendungsmöglichkeiten für eine Blechdose ausdenken, mit Farbstiften frei auf ein leeres Papier zeichnen und ein einzigartiges Fantasietier entwerfen: Diese Aufgaben mussten die Testpersonen, 92 Vorschulkinder und 70 Erwachsene, für die Studie der Universität Graz erledigen. Eine Jury beurteilte die Ergebnisse ohne zu wissen, von wem sie stammten. „Bei allen Aufträgen wurden die Leistungen der Erwachsenen objektiv als origineller, effektiver und kreativer bewertet als die der Kleinen“, berichtet Mathias Benedek vom Institut für Psychologie der Universität Graz. Allerdings hatten die Kinder mehr Spaß an der Arbeit, waren motivierter und empfanden weniger Angst als ihre volljährigen Mitstreiter. „Diese Begeisterung und das Selbstvertrauen nahmen die Erwachsenen vermutlich wahr. Drei Viertel der älteren Proband:innen glaubten nämlich, den Jüngeren unterlegen zu sein“, ergänzt Benedek, der die Studie gemeinsam mit Janika Saretzki und weitern Kolleg:innen durchführte. In einer folgenden Untersuchung wollen die beiden nun herausfinden, warum volljährige Personen ihren eigenen Einfallsreichtum derart unterschätzen.
Die Ergebnisse der Studie sind im Magazin PloS One erschienen:
Saretzki J, Fratzl I, Barbot B, Benedek M (2026) Are children really more creative than adults? A mixed-methods examination of creative performance and experience. PLoS One 21(10): e0346553.
DOI: 10.1371/journal.pone.0346553